Mitarbeiterfluktuation senken – so geht's

Hohe Fluktuation kostet Reinigungsfirmen bis zu 5.000 € pro Abgang. 8 Maßnahmen, die wirklich helfen – mit Praxis-Tipps für Österreich.

SmartSchicht

SmartSchicht Team

27. Februar 20268 Min. Lesezeit

Kaum eine Branche kämpft stärker mit Mitarbeiterfluktuation als die Gebäudereinigung. Frühdienste, Wochenendarbeit, körperliche Belastung und unterdurchschnittliche Löhne machen es schwer, gute Leute zu halten. Dabei kostet jeder Abgang mehr, als die meisten Betriebe ahnen. Wir zeigen, wie Sie Fluktuation konkret reduzieren – mit Maßnahmen, die sich auch in kleinen Betrieben umsetzen lassen.

Was kostet Mitarbeiterfluktuation eine Reinigungsfirma wirklich?

Wie teuer ist ein Mitarbeiterabgang in der Reinigungsbranche?

Die Gesamtkosten eines Mitarbeiterabgangs in der Gebäudereinigung liegen typischerweise zwischen 2.500 und 6.000 € – pro Person. Darin enthalten sind:

  • Mehrkosten durch Überstunden anderer Mitarbeiter während der Vakanz
  • Kosten für Stellenanzeigen und Recruiting
  • Einarbeitungszeit neuer Mitarbeiter (4–8 Wochen verminderte Produktivität)
  • Fehler und Qualitätseinbußen in der Einarbeitungsphase
  • Risiko, Kunden zu verlieren, weil die Objektqualität temporär leidet
  • Verwaltungsaufwand für An- und Abmeldungen, Dienstplanänderungen

Bei einer Fluktuationsrate von 30 % – in der Reinigungsbranche keine Seltenheit – sind das bei einem 20-Personen-Betrieb bis zu 36.000 € jährliche Fluktuationskosten.

Warum verlassen Mitarbeiter Reinigungsfirmen?

Bevor Sie Maßnahmen ergreifen, lohnt es sich, die häufigsten Abgangsgründe zu verstehen:

  • Mangelnde Wertschätzung: Reinigungskräfte erleben ihre Arbeit oft als unsichtbar. Kein Lob, keine Rückmeldung.
  • Schlechte Einsatzplanung: Ständig wechselnde Objekte, unklare Dienstpläne, kurzfristige Änderungen.
  • Kommunikationsprobleme: Wichtige Infos kommen nicht an – Pläne werden per Zettel oder WhatsApp-Gruppe verteilt.
  • Physische Belastung ohne Ausgleich: Fehlende Ausstattung, schlechte Arbeitsmittel, keine Rücksicht auf gesundheitliche Einschränkungen.
  • Wenig Perspektive: Keine Entwicklungsmöglichkeiten, keine Anerkennung von Leistung.
  • Besseres Angebot woanders: Konkurrenten mit höheren Löhnen oder flexibleren Arbeitszeiten.

8 Maßnahmen gegen hohe Mitarbeiterfluktuation

1. Onboarding strukturieren statt improvisieren

Viele Reinigungskräfte kündigen in den ersten drei Monaten – oft weil das Onboarding chaotisch war. Ein strukturierter Einstieg gibt Sicherheit:

  • Schriftliche Einführung in Objekte, Abläufe und Anforderungen
  • Feste Ansprechperson für Fragen (Teamleiter oder erfahrene Kollegen)
  • Erstes Feedback-Gespräch nach 4 Wochen

2. Dienstpläne frühzeitig und verlässlich kommunizieren

Spontane Planänderungen sind einer der häufigsten Frustrationsfaktoren. Mitarbeiter mit Familienpflichten oder Nebenjobs können damit kaum umgehen.

Ziel: Dienstpläne mindestens zwei Wochen im Voraus feststehen haben. Änderungen transparent kommunizieren – mit Begründung, nicht als fait accompli.

3. Faire und verständliche Lohnabrechnung

Der Kollektivvertrag für das Gebäudereinigungsgewerbe in Österreich schreibt Mindestlöhne und Zulagen vor (Nacht, Sonn- und Feiertag, Schmutzzulagen). Viele Mitarbeiter verstehen ihre Abrechnung nicht – und misstrauen ihr deshalb.

Erklären Sie die Gehaltsabrechnung einmal ausführlich. Transparenz schafft Vertrauen.

4. Leistung sichtbar machen und anerkennen

Ein kurzes "Danke, gut gemacht" kostet nichts – wirkt aber nachweislich auf die Mitarbeiterzufriedenheit. Konkrete Möglichkeiten:

  • Regelmäßige Rückmeldungen, wenn Kunden zufrieden sind
  • Kleine Prämien für Zuverlässigkeit (Anwesenheitsprämie nach 3 Monaten ohne unentschuldigten Ausfall)
  • Teamleiter-Positionen als Entwicklungsschritt für erfahrene Mitarbeiter

5. Kommunikation modernisieren

WhatsApp-Gruppen sind kein professionelles Kommunikationstool. Mitarbeiter-Apps ermöglichen:

  • Strukturierte Dienstplan-Kommunikation mit Push-Benachrichtigung
  • Transparente Schichtzuteilung: Jeder sieht nur seine eigenen Einsätze
  • Digitale Krankmeldung ohne Telefonkette
  • Weniger Missverständnisse durch klare Schriftlichkeit

6. Auf Belastung achten und Revierstunden realistisch planen

Überforderte Mitarbeiter kündigen oder werden krank. Ein häufiges Problem: Revierstunden werden zu knapp kalkuliert, um den Auftrag zu gewinnen. Der Druck landet beim Mitarbeiter.

Realistische Reinigungsleistungen pro Stunde (Richtwerte):

ReinigungsbereichRealistischer Leistungsrichtwert
Büroräume (Staubsaugen, Wischen)150 – 200 m² / Stunde
Sanitäranlagen (Gründlich)4 – 6 Einheiten / Stunde
Flure und Treppenhäuser200 – 280 m² / Stunde
Glasreinigung (Innen)25 – 40 m² / Stunde
Unterhaltsreinigung Büro (gesamt)180 – 220 m² / Stunde

Wenn Mitarbeiter dauerhaft mehr schaffen sollen als diese Richtwerte, ist ein Qualitätsproblem oder ein Fluktuationsproblem vorprogrammiert.

7. Krankenstandsmanagement professionalisieren

Hohe Krankenstände sind oft ein Symptom von Überlastung oder mangelnder Bindung – aber manchmal auch einfach schlechte Kommunikation. Ein professionelles Krankenstandsmanagement umfasst:

  • Kurzes Rückkehrgespräch nach längeren Krankenständen (ohne Vorwurf, mit Fürsorge)
  • Analyse: Gibt es Häufungen bei bestimmten Objekten oder Schichten?
  • Flexible Ersatz-Lösungen, damit Kollegen nicht dauerhaft einspringen müssen

8. Austrittsgespräche führen und auswerten

Wer geht, hat nichts mehr zu verlieren – und sagt deshalb oft die Wahrheit. Führen Sie bei jedem Abgang ein kurzes, vertrauliches Gespräch:

  • Warum verlässt die Person das Unternehmen?
  • Was hätte sie zum Bleiben bewogen?
  • Was läuft gut, was schlecht?

Die Erkenntnisse aus 3–4 Austrittsgesprächen zeigen meistens klare Muster – und helfen Ihnen, das Gleiche beim nächsten Mitarbeiter zu verhindern.

Fluktuation messen: So berechnen Sie Ihre Fluktuationsrate

Formel: Fluktuationsrate = (Abgänge im Jahr / durchschnittliche Mitarbeiterzahl) × 100

Beispiel: 6 Abgänge bei 20 Mitarbeitern = 30 % Fluktuation

Zum Vergleich:

FluktuationsrateEinschätzung
Unter 10 %Sehr gut, Betrieb bindet gut
10 – 20 %Durchschnittlich für die Branche
20 – 35 %Erhöht, Handlungsbedarf
Über 35 %Kritisch, strukturelle Ursachen prüfen

In der Gebäudereinigung liegt der Branchenschnitt in Österreich zwischen 25 und 40 % – es gibt also erhebliches Verbesserungspotenzial.

Fazit: Mitarbeiterbindung ist Betriebsstrategie

Mitarbeiterfluktuation ist kein Naturgesetz der Reinigungsbranche. Betriebe, die in Planung, Kommunikation und Anerkennung investieren, halten ihre Leute länger. Die Investition rechnet sich: Schon eine Reduktion der Fluktuationsrate von 30 % auf 15 % spart einem 20-Personen-Betrieb jährlich bis zu 18.000 € – bei gleichzeitig besserer Objektqualität und zufriedeneren Kunden.

Fangen Sie mit dem an, was am einfachsten umzusetzen ist: ein strukturiertes Onboarding, verlässliche Dienstpläne und ein kurzes "Danke" – das kostet nichts und wirkt sofort.

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